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Johannes Hüppi
8 May - 12 Jul 2008
Johannes Hüppi

Johannes Hüppi

Erinnern wir uns, dass man in den neunziger Jahren, als Johannes Hüppi zu malen begann, vor lauter Videos, die Kunst aus den Augen verlor und die Fotografie wie ein Flächenbrand um sich griff. Was soll ich sagen: Während die Moderne im 20. Jahrhundert in Zehnjahresschritten - sprich Avantgarden - das Tempo diktierte, gab es Künstler, die früh erkannten, dass es nichts gibt, was es nicht schon gegeben hätte. Picasso, der Verräter am Kubismus, gehört zu ihnen. Mit seinen großartigen Figurenbildern, von 1920/21, betrat er wieder den Boden der Realität. Im Vordergrund stand der Mensch: Das Menschsein.

Kritiker beklagen, dass es das Neue in der Kunst nicht mehr gibt, sie sind der Meinung, dass Kultur heute als ,,Ablenkung, Unterhaltung, Reiz aufzufassen ist" (Henning Ritter, ,,Behagen in der Kultur", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.Mai 2006). Sie beziehen jedoch dieses Neue auf die stilgeschichtlichen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Wenn es in der Tat, dieses Neue nach dem Ende der historischen Avantgarden vor dreißig Jahren nicht mehr gibt - fugit irreparibile tempus (es flieht unwiederbringlich die Zeit) - dann zählt nur noch Intensität und Authentizität. Das genau zeichnet Valloton aus in dem erwähnten Gemäldre von 1913. Und das genau zeichnet Johannes Hüppi aus. Die malerische, emotionale Hingabe wischt die kunstgeschichtlichen Verweise vom Tisch.

Zwei Punkte. Erstens: die Aussage, dass es nichts gibt, was es nicht schon gegeben hätte, schliesst das innovative Moment keineswegs aus. Denn jeder Künstler muss zuerst den Weg schaffen, den er beschreitet.
Zweitens: Jede Kunst kommt aus der Erinnerung. Aber ein Künstler geht nicht in die Vergangenheit zurück. Er holt sie in die Gegenwart. In der Erforschung des Selbst aus einem Bewusstsein und Denken von Gegenwart wird vergegenwärtigte Vergangenheit zur Blaupause für das Begehren der Kunst und Malerei im Besonderen.

Die Bilder von Johannes Hüppi drücken eben nicht Begehren aus. Sie sind Form und Farbe gewordenes Begehren in einer Verdichtung, die wir nur körperlich erfahren können. Ein Begehren, das auch immer wieder in eine immense Zärtlichkeit mutiert. Stets ist es die Frau, in deren Obhut sich der Mann begibt. Als wäre sie eine Mantelmadonna. Jedoch: unbefleckt ist sie nicht! Die Serviererinnen bringen das Bier oder das Essen, so, wie die weiblichen Figuren die Tiere auf den Armen tragen. Sie Serviererinnen präsentieren aber auch das ,,Haupt des Johannes" auf einem Teller, zusammen mit einem Glas Rot- oder Weißwein. - Die Macht des Weiblichen ist wie der Resonanzraum in uns, die wir Männer sind. Es ist eine Melancholie, die fähig ist, sich selbst zu unterminieren. Um es auf eine Kurzformel zu brngen: Für uns Männer sind die Mütter die Erdung und die Frauen unser Schicksal.


AUSZUG AUS DER REDE VON JEAN-CHRISTOPHE AMMANN, ANLÄSSLICH DER REDE ZUR AUSSTELLUNG JOHANNES HÜPPI IM SCHLOSS GOTTDORF, IM APRIL 2006
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