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MARQUEE
4 Dec 2010 - 29 Jan 2011
MARQUEE

Tanja Goethe : Marquee
4. Dez. 2010 - 29. Jan. 2011 bei Anna Klinkhammer Galerie / Düsseldorf

Eröffnung am 3. Dez. 2010, 19 - 21h


,,Die Welt ist meine Einbildung. Ich besitze die Welt umso besser, je geschickter ich sie zur Miniatur machen kann. Aber man muss berücksichtigen, dass in der Miniatur die Werte dichter und rascher werden. Eine platonische Dialektik des Kleinen und des Großen genügt nicht, um die dynamischen Kräfte der Miniatur zu erkennen. Man muss über die Logik hinausgehen, um zu erleben, wie viel Großes in Kleinem Platz haben kann." (Kurt May/Walter Höllerer (Hg): Gaston Bachelard. Poetik des Raumes. München 1960, 180.)

Im Kern lässt sich das künstlerische Verfahren der Düsseldorferin Tanja Goethe mit Gastons Variation von Schopenhauers ,,Die Welt als Wille und Vorstellung" beschreiben. Die Trockel-Schülerin verarbeitet den steten Wechsel von architektonischen Räumen, die der jeweiligen Epoche, der geografischen Lage mitsamt veränderlichen politischen und religiösen Machtverhältnissen ihren ästhetischen Tribut zollen.
Als performativen Akt konzipiert Goethe ihren eigenen ästhetischen Kosmos en miniature. Angetan mit barock anmutender weißer Haartracht, baut sie in Undo/Redo (Miami) von 2008 unter selbst komponierten Klängen des Menuetts ein Haus, das sie sprengt, um es in der nächsten Sequenz wieder in neuer Formation auferstehen zu lassen. Im Zeitraffer von De- und Rekonstruktion einer manipulierten, geträumten Welt sieht sich der Betrachter einer weiblichen Epigone von Frankreichs Sonnenkönig Ludwig XIV. gegenüber. Doch statt der ,,Monarchin" übernimmt eine überdimensional große Wunderkerze das Regiment und führt das Werk des Menschen fort. Das als Rückwärtslauf konzipierte Tape erweckt den Eindruck, als dirigiere der brennende ,,Zauberstab" die pastellenen Haussegmente, so dass sich wechselnde Gebäudeformationen bilden. Der Zeitraffer ersetzt den historischen Lauf der Zeit, welche vielleicht die wichtigste Komponente in Veränderungen spielt.
Wunderbar mutet auch der herrschaftlich klingende Ausstellungstitel Marquee als etymologische Spielart des französischen Adelstitels Marquise an. Zugleich meint es die glitzernde Werbung einer Theateraufführung. Umrankt von hell erleuchteten Birnen prangen am so genannten Marquee die Namen von Stars und Sternchen, um das Publikum ins Innere zu locken. Tanja Goethes verheißungsvolle Lockung führt ins Innere der Galerie, wo den Zuschauer ihr künstlerisch errichtetes Festzelt, als eine weitere Spielart des Namens, erwartet. Markiert der bereits der Eingang des Showrooms lediglich eine winzige Facette der realen Welt, wird man mit dem Betreten ein Teil der inszenierten Schöpfung der Künstlerin.

In der Tradition der Laterna Magica führt uns Goethe mit der Arbeit Schwimmbad gewissermaßen in das Herz ihrer ,,Maschine", in der sie performativ die Assoziationskette um außereuropäische Einflüsse erweitert.

Schwimmbad, 2010. 9:05 min, Ton
Inmitten eines weiß gekachelten Raumes, dessen Homogenität lediglich durch rhythmisch geordnete blaue Streifen durchbrochen wird, liegen eine Vielzahl schwarzer, wie zufällig verstreuter Gestelle mit unklarer Funktion. Umfangen von Blockflötenkakophonie betritt die dunkelhaarige Künstlerin mit weiß gekalktem Antlitz, grünem Habit und weißen Handschuhen die Bühne des Geschehens. Ohne zu zögern fügt sie die ungeordnete Konstruktion mit den eigenen Händen zu geometrischen Formen und ummantelt sie mit weißem und schwarzem Stoff. Mithin überführt die Beigabe des Materials das Gesehene in eine szenische, bühnenhafte Topografie. Der gekachelte Raum des Schwimmbads gerinnt auch hier zu Goethes Mikrokosmos, dessen skulpturale Arrangements sich zu einem Schattentheater formieren. Doch statt einer indonesischen Wayang-Aufführung oder einer romantischen Erzählung der Schatten leuchtet die Oberfläche eines Monitors auf, die das künstlerische Gebaren als Videostream wiedergibt. Unterstützt durch die parodistisch-unperfekt anmutende Kostümierung, die zwischen der nonverbalen Pantomime und dem japanischen Theater changiert, verortet sie die historischen Anleihen im Hier und Jetzt. Gleich dem Salvator Mundi spult sie die Handlungen im trockenen Schwimmbecken auf der Zeitebene mal vorwärts mal rückwärts, belebt mit multiperspektivischen Szenarien. So reicht die temporale Assoziationskette des innerhalb der Ausstellungssituation begehbaren skulpturalen Arrangements vom nomadischen Zelt über das traditionelle Theater bis hin zur avantgardistischen Umnutzung eines dem Verfall preisgegebenen Zweckraumes der Badeanstalt.

Auch in der 10-teiligen Fotoserie Frau Ban Qui Mo im zweiten Raum der Ausstellung komprimiert Tanja Goethe die Welt besagter Dame zu einem ummauerten Gartenareal, in dem die Gesichtslose mit dem traditionellen vietnamesischen Hut ihrer Arbeit nachkommt. Ununterscheidbar zwischen kerkerähnlichem Gefängnis und einem Ort kontemplativen Müßiggangs im gärtnerischen Paradies, ist der Betrachter angehalten, die als filmisch angeordnete Sequenz in seinem eigenen Erfahrungshorizont zu verorten. So erweitert und komprimiert sich jedes der Exponate und die Ausstellung selber mit dem inneren und äußeren Blick des Besuchers.

Nadia Ismail

"The world is my imagination. I own the world better, the neatly I can make it a miniature. But you have to take into account that the values of a miniature are more dense and faster. A Platonic dialectic of the small and the big is not sufficient to identify the dynamic forces of the miniature. We must go beyond the logic, to experience how much big can have space in the small "(Kurt May / Höllerer (Hg): Gaston Bachelard, The Poetics of Space. Munich 1960, 180).

In essence you can describe the artist practice of Tanja Goethe by Gaston's variation of Schopenhauer's "The World as Will and Idea". She produces the constant interchange of architectural spaces, which pay their aesthetic toll to each period, and geographical location.
As a performative act designed Goethe their own aesthetic universe in miniature. Dressed in white baroque-style hairdo, it builds in undo / redo (Miami) by 2008, self-composed sounds of the minuet a house that blows them up to get it in the next sequence to rise again in a new formation to leave. In the lapse of de-and reconstruction of a manipulated, dreamed world is faced with the viewer of a female imitator of France's Sun King Louis XIV. But instead of the "monarch" takes just an enormous sparkler the regiment and continues the work of man. Designed as a reverse tape gives the impression that the burning was conducting "magic wand" the pastel house segments, so make that changing building configurations. The motion replaces the historical course of time, which perhaps plays the most important component of change.
Wonderful also seems to be the grand-sounding title of the exhibition marquee as the etymological variant of the French nobility title Marquise. At the same time it means the glitzy advertising a theater performance. Entwined with brightly lit bulbs shine in the so-called marquee names of stars and celebrities, to lure the audience into the interior. Tanja Goethe promising lure into the heart of the gallery where the audience her artistically built marquee, as expected another version of the name. Already marked the entrance of the showroom, only a tiny facet of the real world is one with the entering of a part of the staged creation of the artist.

In the tradition of the magic lantern Goethe us out with the work pool to some extent in the heart of their "machine" in which they both performed the extended chain of associations to non-European influences.

Pool, 2010. 9:05 min, sound
Surrounded by a white-tiled room, the homogeneity is broken only by rhythmic parent blue stripe, are a large number of black, scattered like random frames of unknown function. Embrace of cacophony recorder enters the dark-haired artist with whitewashed faces, green and white gloves, the Habit stage of the event. Without hesitation, she adds the disordered structure with their own hands into geometric shapes and covered them with white and black cloth. Therefore transferred to the addition of the material has seen a dramatic, stage-like topography. The tiled area of the pool and clot here to Goethe's microcosm, whose sculptural arrangements form themselves into a shadow theater. But instead of an Indonesian wayang performance or a romantic narrative of the shadows to light up the surface of a monitor that reflects the artistic practices as a video stream. Supported by the mock-imperfect-looking costumes, which alternates between the nonverbal pantomime theater and the Japanese, it locates the historical bonds in the here and now. Like the Salvator Mundi she rewinds the actions of the dry swimming pool on the timeline forward once again, backwards, alive with multi-perspective scenarios. The natural or temporal association chain of walk-in within the exhibition situation sculptural arrangements from nomadic tents to the traditional theater to the conversion of an avant-garde to decay given purpose room of the spa.

Even in the 10-part photo series women Ban Qui Monday in the second room of the exhibition Goethe compressed Tanya said lady the world to a walled garden area in which to comply with the faceless the traditional Vietnamese hat of their work. Indistinguishable between dungeon-like prison and a place contemplative idleness in the horticultural paradise, is encouraged the viewer to locate a cinematic sequence, arranged in his own horizon of experience. Extended and each of the exhibits and the exhibition itself is compressed to the inner and outer view of the visitor.

Nadia Ismail
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