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Eva Haupt, Simon Heser
Züchter neuer Lebewesen
5 Jul - 31 Aug 2019

Der augenscheinliche Ausgangspunkt von Eva Haupt ist die Beschäftigung mit der menschlichen Figur, die mit stetig neu erprobten Mitteln aus dem Arsenal der Malerei, formuliert und transformiert wird. Verblüffend ist hierbei der Variantenreichtum mit dem Figur und Umraum in ein spannungsvolles Verhältnis gebracht und gegeneinander ausgespielt werden. Denn in einigen dieser Bilder fungiert der verrenkte, verbogene, visuell gefügig gemachte Körper als unverhohlenes Epizentrum, von dem aus das gesamte Bildgefüge rythmisiert und strukturiert wird und in anderen wiederum löst er sich fast gänzlich in der atmosphärischen Dichte roh aufgesetzter Pinselstriche auf. Die so entstehenden Räume wiederstehen, obwohl sie ganz und gar klassisch angelegt sind, jeglicher perspektivischen Logik: trotz der bildbestimmenden Dominanz der Figuren, die so nah an uns herangerückt erscheinen, verflüchtigen sie sich dennoch in einem fernen Schwindel, sodass nur mehr die expressiven Gesten an der Oberfläche des Bildes zurückbleiben und auf gänzlich aufrichtige, direkt erfassbare Weise Zeugenschaft von ihrer Entstehung ablegen. Denn eines sind diese Bilder gewiss: bierernst und befreiend existenziell. Mal aggressive Behauptung, mal zärtliche Andeutung der menschlichen Figur, ist jedes Bild singuläre Existenzaussage, die über ihr eigenes Thema im doppelten Wortsinn hinausweist: als Reflektion der Kreatur, des Kreatürlichen, des Kreierten an sich, fernab von jeglicher Psychologie oder Narration, sodass der rote Faden – oder besser: dieser rigorose schwarze Strich – der Eva Haupts Arbeiten durchzieht, wahrscheinlich weniger der Mensch, als das Menschliche selbst ist. Es scheint, als würde die Problematik des Bildermachens eine direkte Entsprechung in den dargestellten Bildwelten finden, denn falls es sich um ein Paradies handelt, dann ein sehr düsteres, fragiles, das jederzeit gefährdet, offen, nur im Vorläufigen sein Ende zu finden vermag.

Die Schnelligkeit in der Ausführung und die Hingabe an den Moment des malerischen Entwurfs suggerieren auch die kleinformatigen, eine simultane Überschaubarkeit gewährenden Bilder Simon Hesers, enspringen doch beide KünstlerInnen derselben Anzingerschen Brutstätte gestisch - zeichnerischer Sensibilität. Und auch wenn die Register, die hier gezogen werden, gleichermaßen in der Linie wurzeln, so ist doch der Gesamtklang der Arbeiten ein völlig anderer. Ganz unwillkürlich evozieren die Bildkompositionen, in denen auf engstem Raum die gesamte Bandbreite dessen, was sich zwischen den gestalterischen Polen des Zeichnerischen und dem Flächigen zu befinden vermag, ausgespielt wird, den Eindruck von Musikalität: Schraffuren, Markierungen, Konturen und Flächen werden in dissonante Verhältnisse gebracht und schlussendlich harmonisch aufgelöst, sodass die Bilder trotz ihrer bescheidenen Ausmaße der BetrachterIn so einiges an Wachsamkeit abverlangen. Der fröhliche Dilettantismus lapidarer Formen, die so scheinen, als wären sie grad zur rechten Zeit an der rechten Stelle gewesen, und die Mühelosigkeit, mit der die marginalen Bildmotive die Flächen akzentuieren, bremsen, in Schwingung versetzen, ebnen jedoch einer visuellen Virtuosität den Weg durch die Hintertür: jedes einzelne Bild von Simon Heser testet die Grenzen kompositorischer Schlüssigkeit, den speziellen Zeitpunkt aus, an dem es ein Gefüge wird, ist durchdrungen von einem präzisen und sehr entschiedenen Bewusstsein für das Bildganze und die Ränder, die das Ende einer Bildwelt bedeuten. Womöglich ist es dieses doppelbödige Wissen der Betrachterin, diese Trübung der Unschuld, die den Bildern, die so fern von jeglicher Gewolltheit anmuten, ihre spezifische Melodie verleihen.
Melissa Blau, Düsseldorf 2019