A N N A   K L I N K H A M M E R   G A L E R I E

Neubrückstr. 6
galerie@anna-klinkhammer.de
D-40213 Düsseldorf
www.anna-klinkhammer.de
Do-Sa 12-18 h / by appointment
+49-(0)172-4344557
EXHIBITIONS | ARTISTS | NEWS | EDITIONS | IMPRINT
She exists
24 Oct - 28 Nov 2009
She exists

Simone Lucas - She exists
Träumerisch muten die großformatigen Arbeiten der Düsseldorfer Künstlerin Simone Lucas an. Losgelöst von Zeit und Raum scheint sich der Betrachter in der inneren, verrätselten Welt eines Träumenden zu bewegen und wird Zeuge jenes zweiten Kosmos', welcher sich nur im Schlaf offenbart. Für wenige Stunden verschwimmen die Erlebnisse des Tages mit Wünschen, Ängsten und schwärmerischen Hoffnungen. Mit ihrem flächigen Malduktus und starken hell-dunkel Kontrasten lässt die Künstlerin tanzende Ballerinen über die Leinwand schweben, um sie andernorts wie ein achtlos auf den Boden geglittenes Bild neben anderen nachlässig verstreuten Gegenständen liegen zu lassen. Es gleicht dem Aufwachen inmitten einer chaotischen Welt, die keinen Platz für Illusionen lässt. She exists scheint wie das Postulat dieser Vergewisserung. In der Realität des täglichen Lebens beleuchtet Simone Lucas ihre eigene Rolle als Künstlerin. Die Dargestellte trägt das Konterfei der Malerin selbst und der Titel scheint die stereotype Kämpfergeste der gen Himmel gereckten, geballten Faust verbal zu stützen. Die nahezu leere Leinwand wird zum Bühnenbild, vor dem die Künstlerin agiert. Gleichzeitig negiert sie die Selbstreflexion, indem sie das neutrale Wort she einsetzt, und das Selbstportrait zum Stellvertreter für ,,Jedefrau" transformiert. Sie erneuert damit die Tradition der Body Art zu Beginn der 1970er Jahre in Amerika.

Ein ebenso häufiges Motiv im Repertoire der Künstlerin ist das Bild im Bild. Ist das Abbild einer Szenerie weniger real als die subjektive Wahrnehmung derselben? Und eröffnet das gemalte Bild im Gemälde Lucas' eine fiktionale Dimension? Oder ist es, mehr in der traditionellen kunsthistorischen Lesart, ein Synonym für die Malerin, die sich selbst im Bild verortet?
Gleich einem Traum, der Erlebnisse verkleidet, reduziert und entstellt, wählt Simone Lucas das Medium der Malerei und verwebt in ihr unterschiedliche Seinszustände. Sie gestattet uns die Betrachtung ihrer Bilder und doch verweigert sie den Blick. Ihre Protagonisten tragen Masken, kehren ihr Augenspiel vom Zuschauer ab, senken den Blick konzentriert auf die zu verrichtende Tätigkeit oder schweifen in die Ferne, wohin wir nicht folgen können. Lukas wählt die Maske als artifizielles ,,Alter Ego", das zum einen schützt und zum anderen die gesamte Bandbreite soziologischer und religiöser Vorstellungen des Lebens vereint. Neben dem Einsatz in spirituellen Riten zur Götterverehrung sind Masken ein unerlässlicher Bestandteil überlieferten Brauchtums. Das Tragen von Masken in der Form einer Fledermaus oszilliert zwischen harmlosem Kinderspiel, mystischer Seance und rückt es weiter in den Bereich der schamanischen Traumreise, in der Priester die Welt in Gestalt eines Tieres durchstreifen. Trance, Traum und innere Welt lassen die Schranken zum Hier und Jetzt durchlässig erscheinen. Zeit und Raumgrenzen werden außer Kraft gesetzt und finden malerisch ihren Ausdruck im Verschmelzen von Boden und Wand sowie von bemalter Leinwand und gemaltem Rahmen. Vielleicht visualisiert die Maske am eindringlichsten die Möglichkeit, inneren Zuständen und individuellen Wahrheiten eine äußere Gestalt zu verleihen.

Simone Lucas wurde 1973 in Neuss geboren und studierte von 1995-2002 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Dieter Krieg
Simone Lucas Biography Page >