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Berlin du Monster
5 Apr - 4 May 2019
Berlin du Monster

Hier gibt es alles, nichts was es nicht gibt - Berlin ist die totale Auseinandersetzung, du musst immer reagieren ... sofern du dich nicht in deinen Kiez verkriechst aber dieses Angebot hat die Stadt auch in der Tüte. Du wirst so beballert mit Angeboten, dass du nie mehr wirklich die Langeweile hast die es bräuchte um aus dir selbst heraus etwas entstehen zu lassen. Für Berliner Eingeborene ist das Lebensgefühl, ein winziger Teil des Korallenriffs zu sein, selbstverständlich; die Komfortzone, den eigenen Mikrokosmos zu bewohnen, auf der Couch und auf den ausgewählten Pfaden. Wer ist die Königin von Berlin ? Tausende ! von verschiedenen Bühnen, Szenen, Ebenen - Es pulsiert und blubbert und ändert sich ständig. Wollte man die Haupt-Metropole des im globalen Vergleich winzigen Deutschland personifizieren, so käme wohl eine Figur à la Karlsson von Dach dabei heraus, der kleine Mann mit dem Propeller auf dem Rücken, der, wenn es gut läuft, fliegen kann ... der selbstsüchtig, gierig, rechthaberisch und unzuverlässig ist und mit dem es niemals langweilig wird. Das stört keinen großen Geist !

Ein ursprünglicher Impuls für die jüngsten Arbeiten von Clara Bausch - vielschichtige Siebdrucke von Fratzen mit einem Hintergrund aus Fürst Pückler Eis, die abstrakte Formen beschreiben und die darin vorkommenden, aus medialen Ereignissen entlehnten Fotografien, schon verschluckt zu haben scheinen - war die Geburt ihrer Tochter. Die Auswahl der Vorlagen wurde bestimmt durch die Suche nach Repräsentationen von Frauen in Printmedien. Bis zur Unkenntlichkeit vergrößert und mit anderen Bildern verbunden verbleiben oft nur Silhouetten die erst nach mehrfachem hinsehen als solche zu erkennen sind. Die Bilder breiten sich im Raum aus, konkrete Formen werden zu Schatten.

Zwischen diesen Schatten taumelt eine Figur. Sie erzählt von Naturkundemuseum bis hin zur Geisterbahn, angsteinflößend und gleichzeitig rührend als Monstrum, fehlgestaltet, wenngleich überzogen mit schmückenden Intarsien aus kostbaren Stoffen, Tattoos und aufwendig angeordneten Kaskaden verschiedener Materialien, erschrocken und verzweifelt über das Selbst. Mit -The Wandering Mind- spielt Oskar Klinkhammer an auf die Schwierigkeit unseren Geist zu bändigenden. In der technisierten Welt der Zukunft in der sich alles von selbst bewegt und man die eigentlichen Mechanismen nicht mehr nachvollziehen kann, verlässt er wie ein wildes Tier immer wieder das hier und jetzt. Ganz unbemerkt stielt er sich davon und ist schon lange unterwegs, als wir es bemerken. Alles blinkt und blitzt um zu verführen, um hinwegzutäuschen über die angreifbare schaurige Basis die unzugänglich bleibt weil sie viel zu groß ist um in irgendeiner Weise fassbar zu sein.
Nein, weder Karlsson vom Dach noch Berlin noch die Arbeiten von Oskar Klinkhammer und Clara Bausch sind Monster im Sinne eines Ungeheuers aber ebenso wenig sind sie behaglich, sanft oder friedlich.

Anlässlich der Ausstellung entstand die Edition #28750


Clara Bausch, geb 1982 in Berlin, studierte freie Kunst an der UDK Berlin und
am Central Saint Martins, Universität London/UK
Sie ist Meisterschülerin bei Prof. Lothar Baumgarten und Mitgründerin von LaborBerlin, einer Plattform für Austausch und Diskurs über die Arbeit mit analogem Filmmaterial.

Oskar Klinkhammer, geb 1985 in Meerbusch, studierte Medienkunst an der HFG Karlsruhe bei Anna Jermolaewa, Michael Bielicky, Vadim Fishkin und an der
Kyushu-University, Fukuoka/Japan, dann Bildhauerei an der HBK Braunschweig,
er ist Meisterschüler von Prof. Thomas Virnich
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